Ratgeber · Heizstrom

Nachtstromtarife und Heizstrom richtig vergleichen

Bei Nachtspeicherheizung oder Wärmespeicher entscheidet das Messkonzept darüber, welche Tarife verfügbar sind. Vergleiche deshalb nicht nur den Nachtpreis, sondern die vollständigen Jahreskosten.

Was bedeutet HT und NT?

HT

Hochtarif

In den vom Netzbetreiber festgelegten Hauptzeiten wird der Verbrauch zum HT-Preis abgerechnet.

NT

Niedertarif

In den Freigabezeiten – häufig nachts – gilt der NT-Preis. Die genauen Zeiten legt der örtliche Netzbetreiber fest.

Messung

Ein oder zwei Zähler

Gemeinsame und getrennte Messung führen zu unterschiedlichen Tarifmöglichkeiten. Die Zählerart ist daher der erste Prüfschritt.

Das Messkonzept bestimmt den Vergleich

MesskonzeptTypische SituationBeim Vergleich angeben
Gemeinsame MessungHaushalt und Heizung laufen über einen DoppeltarifzählerHT- und NT-Verbrauch getrennt
Getrennte MessungEigener Zähler für Nachtspeicherheizung oder WärmestromHeizstromverbrauch und separaten Grundpreis
EintarifmessungKeine getrennte Erfassung von Tag und NachtGesamtverbrauch; Wechseloption technisch prüfen

So vergleichst du korrekt

Jahreskosten = HT-Verbrauch × HT-Preis + NT-Verbrauch × NT-Preis + alle Grund- und Messpreise

Halte Zählernummer, Zählerart, HT- und NT-Jahresverbrauch sowie deine vollständige Adresse bereit. Heizstromangebote sind regional unterschiedlich; ohne diese Angaben bleibt ein Vergleich schnell ungenau.

Den Mischpreis aus HT und NT berechnen

Vergleiche Nachtstrom nicht allein über den günstigeren NT-Arbeitspreis. Maßgeblich ist der gewichtete Preis aus beiden Zählwerken: HT-Verbrauch × HT-Preis plus NT-Verbrauch × NT-Preis, anschließend geteilt durch den Gesamtverbrauch. Addiere danach Grundpreis und Messstellenkosten.

Beispiel: Werden 30 Prozent des Stroms im Hochtarif und 70 Prozent im Niedertarif verbraucht, prägt der NT-Preis die Rechnung deutlich – der HT-Anteil bleibt aber relevant. Verschiebt sich der Verbrauch durch veränderte Heizzeiten, kann auch der tatsächliche Mischpreis spürbar steigen.

Nimm die Verteilung aus der letzten Jahresabrechnung. Eine pauschale Annahme ist besonders bei Speicherheizungen ungenau, weil Witterung, Freigabezeiten und Gebäudedämmung den Anteil verändern.

Vor einem Zähler- oder Heizungsumbau prüfen

Tarifangebot im Netzgebiet

Nacht- und Heizstromtarife sind regional unterschiedlich verfügbar. Kläre zuerst, welche Lieferanten das vorhandene Messkonzept tatsächlich beliefern.

Einmalige und laufende Kosten

Ein neuer Zählerplatz, Umbauarbeiten und zusätzliche Messentgelte gehören in die Wirtschaftlichkeitsrechnung. Eine kleine jährliche Tarifersparnis rechtfertigt keinen teuren Umbau.

Alternativen vergleichen

Bei einer Modernisierung sollten auch Haushaltsstrom, ein separater Wärmepumpentarif und gegebenenfalls ein dynamischer Tarif betrachtet werden. Entscheidend bleiben die gesamten Jahreskosten.

Jahresabrechnung richtig lesen

Auf der Rechnung sollten HT- und NT-Verbrauch getrennt ausgewiesen sein. Kontrolliere, ob die Zählerstände den richtigen Zählwerken zugeordnet wurden und ob der Abrechnungszeitraum ein vollständiges Jahr umfasst. Bei einem Lieferantenwechsel sind außerdem die Stichtagswerte wichtig, damit der Verbrauch nicht geschätzt werden muss.

Prüfe neben den beiden Arbeitspreisen alle festen Positionen: Grundpreis des Lieferanten, Entgelt für den Zähler beziehungsweise das Messsystem sowie mögliche weitere Messkosten. Teile diese Fixkosten durch den Jahresverbrauch, um ihre Wirkung je Kilowattstunde sichtbar zu machen. Bei sinkendem Heizstromverbrauch steigt dieser rechnerische Anteil. Das kann einen Tarif mit niedrigerem Grundpreis attraktiver machen, obwohl sein NT-Arbeitspreis etwas höher ist.

Checkliste

  • Zählerfoto machen und HT-/NT-Zählwerke erkennen
  • Letzte Jahresabrechnung mit getrennten Verbrauchswerten bereithalten
  • Gemeinsame oder getrennte Messung klären
  • Grundpreis und Messstellenkosten einrechnen
  • Bei Umbauten Alternativen wie Wärmepumpe und passende Tarife mitprüfen

Häufige Fragen

Ist Nachtstrom immer günstiger?

Der NT-Arbeitspreis kann niedriger sein. Entscheidend sind aber die gesamten Jahreskosten einschließlich HT-Anteil, Grundpreis und Messkosten.

Kann ich den Nachtstromanbieter wechseln?

Grundsätzlich ja, sofern Anbieter dein regionales Netzgebiet und Messkonzept beliefern. Bei gemeinsamer Messung ist die Auswahl häufig kleiner.

Sind die Niedertarifzeiten überall gleich?

Nein. Die Schalt- und Freigabezeiten werden örtlich festgelegt. Frage beim Netzbetreiber nach den für deinen Zähler geltenden Zeiten.

Autor: Markus Eßmann · Zuletzt fachlich geprüft: August 2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle Rechts- oder Energieberatung.

Quellen: Verbraucherzentrale: Tarifwechsel bei NachtspeicherheizungVerbraucherzentrale: Stromzähler und Doppeltarifmessung

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